SCHULE:KULTUR!

Ausgewählte Texte aus der Gruppe Poetry-Slam:
A
Ich stehe da, in einem Glas. Es sieht aus wie eine Grenze, wie ein Käfig aus Licht. Aber ich halte etwas in der Hand; eine kleine Flamme, die niemand sieht, außer mir. Und genau das ist Freiheit: Nicht immer laut, nicht immer groß, sondern still. Ein Gefühl, das sagt: „Du darfst du selbst sein, auch wenn niemand an dich glaubt.“. Freiheit ist nicht, überall hingehen zu können. Freiheit heißt, bei sich selbst zu bleiben; trotz Angst, trotz Glas. Ich bin nicht gefangen, solange ich mein Licht nicht loslasse.

B
Freiheit ist, wenn niemand fragt, wenn keiner urteilt oder klagt, wenn du einfach „Du“ sein kannst; egal, ob du weinst oder tanzt.
Wenn du lachst, weil du willst, nicht weil du musst und dabei spürst: In dir liegt Lust.
Lust zu leben, frei zu sein, nicht mehr klein. Freiheit heißt, den Lärm der Welt mal auszublenden und dich deinem Herzen zuzuwenden.
Doch Liebe ist noch mehr. Sie kommt ganz leise, nicht so schwer und sie bleibt auch, wenn der Sturm dich trifft, weil sie dir Kraft und Liebe gibt.
Liebe braucht keine lauten Worte. Sie öffnet dir geheime Pforten. Sie hält dich fest und lässt dich fliegen, kann trösten, ohne dich zu verbiegen.
Freiheit ist ein großer Raum und Liebe füllt ihn, wie ein Traum. Sie ist kein Käfig, keine Pflicht, sie braucht nur Nähe und viel Licht.
Freiheit ohne Liebe ist oft leer und Liebe ohne Freiheit schwer. Doch wenn sie sich im Herzen finden, kann selbst das Böse sich überwinden.

C
Da steht jemand. Still. Nicht einfach so, sondern zugeklebt mit Zetteln; gelbe, weiße Zettel, vollgeschmiert mit „falsch“, „zu schüchtern“, „zu unkonzentriert“, „zu viel“, „nicht gut“.
Fehler auf Papier haften auf ihm wie Tattoos; nur, dass er sie sich nicht ausgesucht hat. Und ich frag mich: Wie soll man frei sein, wenn man vollgeklebt ist? Mit Zettel, mit Sachen, die man falsch gemacht hat, oder falsch gesagt, falsch gedacht hat. Fehler auf Zettel, die einen davon abhalten, frei zu sein.
Man sagt immer: „Aus Fehlern lernt man!“. Klingt gut. Aber was, wenn die Fehler einfach kleben bleiben? Fehler auf Zetteln.
Ich glaube, Freiheit heißt nicht, keine Fehler zu haben. Freiheit ist, nicht von seinen Fehlern definiert zu werden und sie loszulassen, um frei zu sein.

Ein schönes Ende für mich
Ich setze Kommas, wo ich Punkte setzen müsste. Ich verhandle mich in den Sätzen und Wörtern. Warum mach ich das? Ich mach das, weil ich Angst vor dem Ende habe. Angst davor habe, selbst das Ende zu setzen. Ein Komma zu setzen tut weniger weh, als den Punkt — den finalen Punkt — zu setzen, der alles beendet. Der Sonnenuntergang, das Ende, das Ende des Tages. Ihr merkt: Ich habe kein Punkt gesetzt. Ich wechsle zwischen den Themen. Ohne Punkt. Ich kann eins nicht einfach beenden, so wie beim Sonnenuntergang des Tages.
Ein natürliches Ende, ein schönes Ende, ein Ende, für das ich mir Zeit nehme. Ein Ende, was ich liebe. Doch was ist der Unterschied? Kann das Ende, was ich selbst setze, nicht genauso schön sein wie das Ende der Natur? Oder ist das Ende, was ich selbst setze, wie der Sonnenuntergang an einem bewölkten Tag, an einem Tag, der voll Chaos war, ein Tag, der nur enden soll?
Das Ende bringt Ruhe und Freiheit mit sich. Eine Stille, die gut tut. Ein Ende, das nicht endgültig ist. Ein Ende, das ein genauso schöner neuer Anfang hat. Ein Anfang, der neue Chancen gibt. Ein Anfang, der ruhig ist. Doch warum kann ich das selbst nicht? Warum schaffe ich nur Anfänge und nie ein Ende? Funktioniert der Anfang nicht nur mit einem Ende? Würde mir ein Ende nicht Freiheit geben? Würde mir ein Ende nicht die Freiheit geben für einen neuen Start?
Ein Start ohne Chaos im Kopf, ohne all die Sachen, wo ich ein Komma gesetzt habe statt eines Punktes.